Bettina Kneller

​Sinnlicher Bilderreigen
"Das Alphabet der Pirateninseln in der Würzburger Stadtbücherei ”
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"All das ist viel poetischer als es scheint, denn die Dichtung findet sich nicht im Gesagten, sondern in dem was davon bleibt." Das Zitat des portugiesischen Schrifstellers António Pedro prangt nicht protzig in der Mitte des Werkes, sondern ist bescheiden, zurückhaltend am Rand der Installation plaziert. Worte rufen Gedanken hervor, beflügeln die Phantasie, lassen Geschichten im Kopf ablaufen.

Dieser Grundgedanke verbindet die beiden Künstlerinnen Rosário Rebello de Andrade und Kathtin Feser. Und hat sie zu dem träumerisch anmutenden Werk "Das Alphabeth der Pirateninseln" im Lesecafé der Würzburger Stadbucherei inspiriert. Auf eine Gesamtlänge von sieben acht, Metern und eine Breite von nur 30 oder fünfzig Zentimetern breiten sie Zitate katalanischer, deutsche und portugiesischer Autoren aus. Jeder Aphorismus befindet sich auf einer extra dafür angefertigen Leinwand, die Stück für Stück aneinandergefügt ein traumverlorenes Ganzes ergeben.  Manche liest man als direkte Folge von Worten, andere wieder verbrämt hinter Symbolen oder Bildern. Das sich daraus ergebende betont waagrechte Format des Werkes ahmt den Schreibfluss eines Autoren nach, erinnert an die Zeilen eines Buches.

Doch hinter den Buchstaben findet sich bei Feser wie bei Rebello de Andrade eine ganze Welt, eine bunte Welt. Längs- und Querstreifen wechseln sich ab mit Punkten und Kreisen. Florales trifft auf barocken Rocaillen, eine Fliege folgt auf das Bild eines Mannes mit Hut, über dessen Kopf ein Fisch schwebt. Ein Vogel spannt seine Flügel neben einer Tafel mit einem Zitat, das in der strengen, karolingischen Minuskel wiedergegeben ist. Ein Paar Tafeln weiter erblickt man die moderne Type der Times Mager.

Die Künstlerinnen spielen mit Vorstellungen, mit Gedankenbildern und setzen wiederum die Wortblasen, die sich im Lesen im Kopf ausbreiten, in Bilder um. So entsteht ein Fluss der Gedankenblasen, der sich quer durch den Raum zieht. Obwohl kopfplastig vom Konzept her mutet die farbenfrohe Installation sinnlich an. Es ist mehr als ein Ausblick in eine bunte Welt. Es ist ein Bilderreigen, der für ein paar Momente im Altag ins eigene Innere entführt – dorthin, wo nur wahre Worte, kraftvolle Farben und feine Linien dringen und etwas zum schwingen bringen können.

August 2007